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Misophonie

Was sind Misophonie, Phonophobie, AkustischerSchock?

Bei Erwachsenen, bei Kindern, bei Jugendlichen

Misophonie, die bei ca. 60% der Tinnitus Patienten auftritt, ist eine negative Reaktion auf ein Geräusch mit einem spezifischen Muster und Bedeutung. Die physischen Merkmale des Geräuschs (z.B. Spektrum, Intensität), sind zweitrangig. Die Reaktionen des Patienten auf Geräusche hängen von der Vergangenheit des Patienten ab. Außerdem von nicht auditorischen Faktoren, wie frühere Bewertungen des Geräusches durch den Patienten, sein psychologisches Profil, und der Kontext, in dem das Geräusch vorkommt.

Phonophobie ist in diesem Fall eine Misophonie, bei der Furcht die dominante Emotion ist.

Die Diagnose muss durch einen spezialisierten HNO-Arzt erfolgen. Es ist hilfreich, Rauschgeräte oder, bei Vorliegen einer Hörbeeinträchtigung, Kombigeräte zu tragen, die von einem spezialisierten Akustiker angepasst werden müssen.

Wie entwickelt sich Misophonie?
Wenn sich eine Misophonie entwickelt, scheinen alltägliche Geräusche, insbesondere laute/plötzliche/unerwartete Geräusche für die Betroffenen immer hervorstechender, immer lauter und immer abstoßender zu werden. Ist man einigen oder vielen dieser Geräusche ausgesetzt, kann dies zu hochgradiger Wut und Irritation führen.
Es kann sein, dass immer mehr Geräusche diese Reaktion hervorrufen. Die zunehmende Verzweiflung über diese emotionale Reaktion auf die Geräusche kann zu einer Verschlimmerung der Misophonie führen.

Wie beeinflusst Hyperakusis die Betroffenen?
Personen mit Misophonie meinen oft, sie müssten ihr auditorisches Umfeld zwanghaft überwachen, um unerträgliche Geräusche zu vermeiden. Sie haben das Bedürfnis, ihre Ohren und ihr Hörvermögen vor diesen unerträglichen Geräuschen zu schützen. Bei Misophonie versuchen sie, die Wut, Reizbarkeit und Verzweiflung einzuschränken, die eintreten, wenn sie den unerträglichen Geräuschen ausgesetzt sind.
Dies resultiert häufig in einer übertriebenen Wachsamkeit gegenüber dem akustischen Umfeld. Ebenso häufig ist das Überwachen der Ohrsymptome.

Betroffene mit ausgeprägter Misophonie ertragen generell keine lauten Geräusche, auch keine mäßig lauten Geräusche, besonders wenn sie plötzlich und unerwartet auftreten, und sogar einige sanfte Geräusche werden nicht toleriert. Töne im hohen und niedrigen Frequenzbereich werden weniger gut ertragen.
Dies kann erheblichen Einfluss auf das tägliche Leben der Betroffenen haben, ihre Möglichkeiten in hohem Maße einschränken und ein hohes Maß an Verzweiflung hervorrufen.

Die Allgemeinheit hat wenig Verständnis für Misophonie, Phonophobie, AkustischerSchock. Alle Symptome im und um das Ohr, die durch unerträgliche Geräusche hervorgerufen werden, erfolgen unwillkürlich und subjektiv.
Die ungewöhnliche Häufung von Symptomen wird leicht missverstanden oder nicht geglaubt.
Es ist schwierig, eine solche anomale Reaktion auf Geräusche anderen zu erklären, dies gilt oft auch für Ärzte und Fachpersonal.

Betroffene mit Misophonie, Phonophobie, Akustischer Schock fühlen sich daher oft mißverstanden, isoliert und werden sogar als Simulanten verdächtigt.

Akustischer Schock

Was ist akustischer Schock?
Unter akustischem Schock versteht man die körperlichen und psychischen Folgen eines plötzlichen unerwarteten Geräusches, das über Kopfhörer, Telefon oder ähnliches wahrgenommen wird. Immer mehr Angestellte von Call Centern klagen über eine Häufung von Symptomen, nachdem sie einem plötzlichen, unerwarteten, lauten Geräusch ausgesetzt waren, das durch die Telefonleitung übertragen wurde. Akustischer Schock kann auch nach beliebigen Geräuschen auftreten, die große Furcht auslösen, als bedrohlich empfunden oder mit einem äußerst traumatischen Ereignis assoziiert werden.

Die neurophysiologischen und psychologischen Symptome unterscheiden sich von denen, die durch eine traditionelle Lärmschädigung auftreten.
Man nennt dies Akustischen Schock (AS), Akustischer Schock Störung, wenn die Symptome anhalten.

Auslösende Mechanismen des akustischen Schocks

Man nimmt an, dass die Hauptursache für den akustischen Schock exzessive Kontraktionen der Muskeln des Mittelohrs sind (Stapedius und Tensor Tympani). Speziell hier der Tensor Tympani bei lautem unerwartetem Geräusch. Der Stapedius Reflex ist ein akustischer Reflex, der durch großes Volumen ausgelöst wird.
Der Tensor Tympani Reflex ist Schutzreflex mit variabler Geräuschschwelle, die nach unten programmiert werden kann.

Symptome des akustischen Schocks.

Typische Beschreibungen eines akustischen Schock lauten:
„Wie mit einem Eispickel ins Ohr gestochen“, „Wie ein Stromschlag im Ohr“. Wer einen Kopfhörer benutzt, sollte ihn in diesem Fall sofort ablegen.

Die ersten Symptome können sein: entsetztes Hochreißen des Kopfes und Verdrehen des Nackens, Gefühl des Brennens, der Benommenheit, Klingeln, Gefühl der Blockade im Ohr, stechende Schmerzen im Ohr, Tinnitus, Hyperakusis, Schwindel, Übelkeit, Hörverlust oder Hörstörung, Kopfschmerzen, Müdigkeit.

Generell lassen die Symptome nach ein paar Stunden oder Tagen nach. In einigen Fällen sind sie monatelang spürbar oder gehen gar nicht weg. Anhaltende Symptome können sein: Schmerzen im und um das Ohr, Schmerzen im Nacken/Kiefer/Gesicht, Tinnitus, Hyperakusis, Gleichgewichtsprobleme, Kopfschmerzen, Gesichtstaubheit, Brennen des Gesichtes oder der Ohren, Druckgefühl im Ohr, Echo oder hohles Gefühl im Ohr oder Hörverlust.

Die Symptome des akustischen Schocks treten unwillkürlich auf, daher können sie nicht kontrolliert werden. Sie sind subjektiv, daher ist es schwierig, sie zu messen. Diese ungewöhnlichen Symptome können missverstanden werden oder sie werden nicht geglaubt. Durch dieses unzureichende Verständnis für die Symptome, und auch wenn sie anhalten oder schlimmer werden, können sich nachfolgende und langwierige psychologische Symptome entwickeln.

Dazu gehören übertriebene auditorische Wachsamkeit, Ängste, Depression, posttraumatische Stressreaktion, Müdigkeit, Wut.

Kinder und Jugendliche mit Misophonie – Phonophobie

TRT ist auch bei Kindern und Jugendlichen mit Misophonie/Phonophobie erfolgreich, auch hier greift das von Prof. Jastreboff entwickelte neurophysiologische Modell. Es basiert auf der wissenschaftlichen Erkenntnis, dass bei der Verarbeitung im Gehirn alle Geräusche ganz unbewusst bewertet werden, welche Bedeutung oder Wichtigkeit sie für uns haben. So können Geräusche für den Einzelnen negativ, bedrohlich, bewertet werden, die für andere völlig harmlos sind. Die TRT, die sich auf dieses Modell stützt, nützt die Plastizität des Gehirns, um diese negativen Prozesse umzukehren, um die bedrohlichen Besetzungen der Geräusche zu minimieren oder ganz auszuschalten.

Eingesetzt werden hier Rauschgeräte, die unerträglichen Geräusche werden weniger wahrnehmbar, wenn sie von einem neutralen Geräusch begleitet werden. Besonders vorteilhaft ist es, dass dieses neutrale Geräusch durch die Rauschgeräte von den Betroffenen selbst kontrolliert und überall mitgenommen werden kann.

Phonophobie ist der Misophonie sehr ähnlich, allerdings handelt es sich hier um eine generelle Angst vor Geräuschen. Es ist hier eine sehr gute Differentialdiagnostik durch einen hochspezialisierten HNO-Arzt erforderlich.

Sowohl bei Misophonie wie bei Phonophobie bei Kindern und Jugendlichen ist es angezeigt, neben der Betreuung der Betroffenen und unbedingt auch ihrer Eltern durch den HNO-Facharzt und Hörakustiker auch einen Kinderpsychologen oder Kinderpsychiater hinzuzuziehen oder gegebenenfalls gemeinsam eine Psychosomatische Klinik aufzusuchen.

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