Tinnitus Zentrum Frankfurt am Main

ein Erfahrungsbericht von Gabriele Lux-Wellenhof

Wie sieht die Arbeit mit Tinnituspatienten aus und wie kann der Hörakustiker ihnen konkret helfen?
Das sind Fragen, auf die der folgende Beitrag Antworten gibt.

Seit dem Jahr 1996 besteht das Tinnitus Zentrum Frankfurt, wo mit einem ambulanten interdisziplinären Therapieansatz gearbeitet wird.

Das Tinnitus Zentrum Frankfurt wurde als eines der ersten in Deutschland von Dr. Christian Hellweg und Gabriele Lux-Wellenhof gegründet. Ausschlaggebend dafür war die Erfahrung, dass zahlreiche, von Tinnitus, Hyperakusis und Misophonie schwer betroffene Menschen, im Rahmen der normalen HNO-ärztlichen Versorgung keine zufriedenstellende Behandlung finden konnten.Viele Betroffene hatten bereits drei oder mehr HNO-Fachärzte oder entsprechende Klinikeinrichtungen aufgesucht, ohne dass ihnen geholfen werden konnte.

Die Gründung des Tinnitus Zentrum Frankfurt wurde unterstützt von Professor Pawel J. Jastreboff, Atlanta, USA, der die Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) entwickelt hat. Vor allem in der Anfangszeit besuchte er sehr häufig das Zentrum, um das Team mit seiner langjährigen Erfahrung zu unterstützen. Professor Jastreboff, Dr. Hellweg und G. Lux-Wellenhof organisierten außerdem gut besuchte Fortbildungskurse für interessierte HNO-Fachärzte, Hörakustiker und Psychologen.

Die Zielgruppe

Das Tinnitus Zentrum Frankfurt hat sich auf die Behandlung von Betroffenen spezialisiert, die auch heute noch oft vergeblich nach eine adäquaten Therapie suchen, und widmet sich ausschließlich der Behandlung von Patienten mit Tinnitus und anderen damit verbundenen oder einhergehenden Störungen wie Hyperakusis, Phonophobie, Misophonie oder akustischen Verarbeitungsstörungen, Zuhörstörungen und Hörstörungen. Auch daraus resultierende Schwierigkeiten der psychosozialen Lage im beruflichen oder familiären Alltag, Schlafstörungen, Verhaltensstörungen, soziale Anpassungsstörungen, psychosomatische Störungen, bis hin zu depressiven Episoden oder gar Panikattacken, werden berücksichtigt und gegebenenfalls einer gezielten Behandlung durch Spezialisten zugeführt.

Das Behandlerteam

Interdisziplinäre, spezialisierte  Teams von Ärzten verschiedener Fachrichtungen führen die Behandlung durch. Außer den Gründern Dr. Christian Hellweg als HNO-Facharzt und Gabriele Lux-Wellenhof als Hörakustikermeisterin gehören dazu zwei Psychologen, eine Psychiaterin sowie weitere Fachärzte wie Orthopäden, Neurologen, Internisten, Physiotherapeuten, Musiktherapeuten, Akupunkteure et cetera. Das Team steht in ständiger enger Verbindung mit den HNO-Abteilungen der Universität Frankfurt mit Professor Stöver und Professor Baumann, und kooperiert mit Professor Delb und Frau Professor Mazurek, Charité Berlin.

Zusammenarbeit mit der Deutschen Tinnitus-Liga

Des Weiteren arbeitet das Tinnitus Zentrum Frankfurt mit der Deutschen Tinnitus-Liga zusammen. Die Deutsche Tinnitus-Liga repräsentiert etwa 20 000 Tinnitusbetroffene und ist damit eine der größten Selbsthilfeorganisationen in Deutschland überhaupt. Die Deutsche Tinnitus- Liga verfügt seit Jahren über eine enorme Erfahrung, die kein einzelner Arzt und keine einzelne Klinik allein erlangen könnte. Die Ärzte und Kliniken verfügen zwar über eine herausragende akademische Kompetenz und über ein enormes Fachwissen. In der Deutschen Tinnitus-Liga aber werden die Informationen über die tatsächlichen Erfahrungen vieler vom Tinnitus Betroffenen darüber gesammelt, welche Behandlung welchem Patienten geholfen hat, welche Klinik und welches Therapiezentrum nach Ansicht der Patienten erfolgreich gearbeitet hat oder nicht usw.

Darüber hinaus können sich Betroffene innerhalb der Deutschen Tinnitus-Liga miteinander austauschen und so an den Erfahrungen anderer Patienten teilhaben. Sie werden von der Deutschen Tinnitus-Liga auch über die neuesten Errungenschaften, Forschungsergebnisse, Aktivitäten und Tinnituseinrichtungen informiert. Diese Informationen und die Kommunikationsplattform der Deutschen Tinnitus-Liga werden vom Tinnitus Zentrum Frankfurt für das Wohl der Patienten intensiv genutzt.

Behandlung nur ambulant

Die Behandlung im Tinnitus Zentrum Frankfurt erfolgt ausschließlich ambulant. Die besondere Natur der Tinnituserkrankung bringt es nämlich mit sich, dass in der Regel eine längerfristige Therapie über Wochen, ja mehrere Monate oder sogar Jahre erforderlich ist. Eine stationäre Aufnahme kann aber höchstens nur für wenige Wochen in einer dafür spezialisierten Tinnitusklinik erfolgen, sodass eine solche stationäre Aufnahme allein nur in besonderen Fällen für Tinnitusbetroffene sinnvoll sein kann. Denn nach dieser Zeit des Klinikaufenthaltes ist die ambulante Weiterführung der dort eingeleiteten Behandlung am Heimatort der Betroffenen ohnehin fast immer notwendig.

Therapiekonzept der Tinnitus-Retraining-Therapie

Das Therapiekonzept des Tinnitus Zentrum Frankfurt basiert auf rein naturwissenschaftlichen Erklärungszusammenhängen. Es stützt sich auf die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse über Tinnitusauslöser, Tinnitusentstehung und Tinnitusursachen.

Im Fokus der Bemühungen und der Behandlung stehen die dem Tinnitus eigentlich zugrunde liegenden pathophysiologischen Mechanismen in der zentralen Hörbahn und im zentralen Nervensystem. Diese Mechanismen sind von Professor Pawel Jastreboff in seinem für die Entstehung von Tinnitus entwickelten Erklärungsmodell eingehend beschrieben worden.

Professor Pawel Jastreboff hat in diesem neurophysiologischen Tinnitusmodell zum Teil bereits früher bekannte Phänomene und neueste wissenschaftliche und klinische Erkenntnisse zusammengeführt und damit ein völlig neues und in sich konsistentes neuronales Funktionsmuster aufgestellt.

Er konnte ein ganz spezifisches System von Wechselwirkungen zwischen bestimmten Arealen in unserem Zentralnervensystem identifizieren, das für die Entstehung und die Besonderheiten der Tinnituserkrankung verantwortlich zu machen ist. Hierbei handelt es sich sowohl um Teile der zentralen Hörbahn selbst, in der die Informationsverarbeitung der akustischen Sinnesreize stattfindet, als auch um außerhalb der Hörbahn gelegene Nervenzentren.

Das Ohr selbst, insbesondere das Innenohr und die darin liegenden Haarzellen, die die von außen kommenden Schallwellen in elektrische Impulse umwandeln, spielt höchstens eine Nebenrolle. Entgegen der immer noch weit verbreiteten Auffassung, dass Ohrgeräusche auch im Ohr entstehen und dort behandelt werden müssten, setzt sich langsam bei immer mehr Therapeuten die Erkenntnis durch, dass der typische Tinnitus ein Phantomgeräusch ist, das ähnlich wie der weithin bekannte Phantomschmerz im Zentralnervensystem generiert wird und nicht im entsprechenden Sinnesorgan.

Das Ohr kommt höchstens als Auslöser für Tinnitus infrage, es kann als Trigger wirken und die Störung einleiten. Das chronische Störungsbild selbst jedoch beruht auf krankhaften Veränderungen und Funktionsstörungen zentraler neuronaler Entladungsmuster. Basierend auf diesen Erkenntnissen und basierend auf dem davon abgeleiteten neurophysiologischen Modell ist es in den letzten Jahren erstmals gelungen, eine medizinisch wirksame kausale Behandlung für Tinnitus anzubieten, nämlich die Tinnitus-Retraining-Therapie, kurz TRT.

TRT im Verbund mit anderen Therapien

Allerdings wird im Tinnitus Zentrum Frankfurt nicht auf die meisten anderen herkömmlichen Behandlungsmethoden des Tinnitus von vornherein einfach verzichtet. Die von Professor Pawel Jastreboff entwickelte Methode der Tinnitus-Retraining-Therapie schließt überhaupt nicht aus, dass zusätzlich, besonders im ganz akuten Fall und wenn der Patient selbst das wünscht, Infusionstherapie, intratympanale Cortison-Applikation, Akupunktur, progressive Muskelentspannung, Tomatis-Therapie, Homöopathie, Musiktherapie oder andere auch durchaus alternative bzw. komplementäre Behandlungsmethoden einbezogen werden können.

Die TRT schließt andere Behandlungsmaßnahmen also nicht aus. Insbesondere wird im akuten Fall von Tinnitus, besonders wenn der Tinnitus Teilsymptom eines Hörsturzes ist, die Hörsturztherapie zum Einsatz gebracht. Auch diese zusätzlichen Behandlungsmethoden werden im Tinnitus Zentrum Frankfurt ebenfalls flankierend angeboten, sofern sie notwendig und sinnvoll sind und keine ärztlichen Bedenken aus medizinischen Gründen oder wegen möglicher Nebenwirkungen dagegen sprechen.

Aber da die Tinnitus-Retraining-Therapie als neue erfolgversprechende Methode durch zahlreiche klinische Erfahrungen gestützt wird, und da ihr Einsatz naturwissenschaftlich begründet werden kann, wird sie im Tinnitus Zentrum Frankfurt in all denjenigen Fällen bevorzugt angeboten, in denen sie medizinisch sinnvoll eingesetzt werden kann.

Ablauf der Tinnitus-Retraining-Therapie

Die Tinnitus-Retraining-Therapie kann nur aufgrund einer ärztlichen Indikationsstellung medizinisch sinnvoll eingesetzt werden. Voraussetzung ist also immer eine gründliche HNO-ärztliche Untersuchung, in der die Funktionen des Innenohres, der Hörnerven beiderseits und der zentralen Hörbahn genauestens untersucht werden. Tinnitus kann nämlich gar nicht so selten auch Erstsymptom, zum Beispiel eines Akustikusneurinoms, sein. An erster Stelle steht also vor der TRT im Tinnitus Zentrum Frankfurt nach der HNO-Untersuchung immer eine genaue weitergehende Ursachenforschung. Ob nicht eventuell eine Stoffwechselstörung, wie zum Beispiel eine Funktionsstörung der Schilddrüse, eine Halswirbelsäulenproblematik, eine Otosklerose, ein Hörsturz, eine Medikamentennebenwirkung oder einer der vielen, vielen anderen möglichen Auslöser für Tinnitus vorliegen können. Wenn eine solche Störung tatsächlich gefunden wird, wie zum Beispiel eine HWS-Verspannung, ein Tubenkatarrh, ein Fremdkörper im Ohr oder eine Überdosierung von Aspirin, ist es manchmal möglich, durch Behandlung dieser Störung den Tinnitus zu bessern oder sogar vollständig zu beseitigen. Falls die Ursachenforschung aber ergebnislos verläuft und sich daraus kein weiterer dementsprechender Therapieansatz ergibt, geht es sodann darum, für Abhilfe des Tinnitusproblems zu sorgen. Spätestens dann sollte geprüft werden, ob die TRT zum Einsatz gebracht werden kann.

Zur weiteren Klärung dieser Frage und der Ausgangssituation wird der Tinnitus des Patienten mithilfe von audiologischen Tests, dem Tonaudiogramm und dem Hochtonaudiogramm, bestimmt.

Zur Tinnitusanylyse gehört die Frquenzbestimmung, die Lautheitsanalyse, Test auf verdeckten Tinnitus, Dynamikverhalten des Ohres, Unbehaglichkeitsgrenze Töne und evtl. auch der Sprache, Verständnisleistung von Sprachsignalen, Sprachanalyse bei verschiedenen Lautstärken, Sprachverständlichkeit bei Störgeräuschen. Mit einem detaillierten Fragebogen und dessen Auswertung wird der Grad der Beeinträchtigung erfasst. Hierbei geht es darum, die Charakteristik des Tinnitus zu bestimmen, den Leidensdruck, die Lautheit und die allgemeine Tinnitusbelastung festzustellen, zu prüfen, ob auch Hörstörungen, Hyperakusis, andere Zusatzerkrankungen vorliegen, ob Schlafstörungen und Stress oder eine psychische Komorbidität oder andere Kofaktoren bestehen. Daraus kann dann nach den Vorgaben von Professor Pawel Jastreboff eine Kategorisierung des Tinnitus abgeleitet werden, die für die Richtung und den weiteren Verlauf der Therapiemaßnahmen entscheidend ist.

Drei Säulen der Behandlung

Ein anschauliches, aber auch stark vereinfachtes Bild lässt die TRT auf drei Säulen ruhend erscheinen: erstens auf dem Councelling, zweitens auf der Schallbehandlung und drittens auf den Trainingsmaßnahmen des Betroffenen. Es handelt sich bei der TRT also weder um eine Behandlung mit Medikamenten noch um körperliche, chirurgische oder physiotherapeutische Maßnahmen, auch nicht um eine Form der Psychotherapie. Es handelt sich vielmehr um eine ganz spezielle Methode, die gestörten Entladungsmuster der Neurone in der zentralen Hörbahn von betroffenen Tinnituspatienten wieder in den normalen Ursprungszustand „zurück zu trainieren“ – daher die Bezeichnung „re-training“.

Counseling

Das Counseling dient dem Zweck, dem Betroffenen das umfassende Therapiekonzept und den tieferen Sinn der TRT zu erläutern. Dazu gehört es insbesondere,
ihm die Anatomie und Physiologie der zentralen Hörbahn zu erklären, die neuesten Erkenntnisse über Möglichkeiten der Tinnitusentstehung zu vermitteln und ihm die eigentliche dem Tinnitus zugrunde liegende Pathophysiologie verständlich zu machen. Im Grunde muss der Betroffene sich dann im Rahmen der TRT nämlich selbst behandeln, und dazu muss er von den Behandlern erst befähigt werden! Der Arzt und die anderen Behandler stehen dem Betroffenen daher lediglich zur Seite, informieren über Zusammenhänge, führen ihn ein in die Hintergründe der Pathophysiologie der Tinnitusentstehung, versorgen ihn bei Bedarf mit individuell angepassten technischen Tinnitusinstrumenten, begleiten mit psychosomatischen Maßnahmen et cetera, dokumentieren fortlaufend den Stand der Tinnitusbelastung und den Fortgang der Behandlung.

Schalltherapie

Die Schalltherapie stellt die zweite unverzichtbare Säule bei der TRT dar. Die Schalltherapie beruht auf der Erkenntnis, dass ein Tinnitus in einer sogenannten schalltoten Kammer, oder „Camera silenta“, bei fast allen Menschen hervorgerufen werden kann. So wie also absolute Stille einen Tinnitus provozieren kann, ist es im umgekehrten Schluss auch möglich, durch ganz gezieltes Einspeisen von besonders dazu geeigneten therapeutischen Geräuschen in die Hörbahn einen bereits vorhandenen Tinnitus zu entschärfen und ihn im Idealfall sogar ganz zu beseitigen. Dazu ist es erforderlich, dass speziell ausgebildete Hörakustiker sich als „Sound-Designer“ betätigen und ganz auf den individuellen Patienten zugeschnittene Geräusche zur Schalltherapie herstellen. Der Tinnituspatient kann dann je nach der bei ihm vorliegenden Tinnituskategorie mit entsprechenden spezifischen Tinnitusinstrumenten in ganz unterschiedlicher Kombination und Konstellation versorgt werden.

Trainingsmaßnahmen des Betroffenen

Die dem Tinnitus zugrundeliegende Pathophysiologie liegt nach heutiger Erkenntnis vorwiegend in einer Störung der synaptischen Verbindungsmuster zentraler neuronaler Netze, besonders in der Hörbahn, aber auch in anderen mit der Hörbahn verbundenen Teilen des Zentralnervensystems (ZNS), mit daraus resultierender Veränderung der entsprechenden neuronalen Aktivitätsmuster. Diese gestörten Verbindungsmuster und Aktivitätsmuster sollen nun im Rahmen der TRT wieder in den normalen ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden. Dies entspricht stark vereinfacht ausgedrückt (bekanntlich hinken ja alle Vergleiche!) in gewissem Sinne einem Lernvorgang in Rückwärtsrichtung! Auch Lernvorgänge bestehen ja unter anderem darin, dass synaptische Verbindungsmuster zwischen einzelnen Nervenzellen ganz gezielt verändert werden. Bei der TRT soll eben auch auf diese Weise der Tinnitus reduziert und im Idealfall sogar beseitigt werden.

Ziel der TRT

Das Hauptproblem, das die meisten Tinnituspatienten quält, ist der hohe Belastungsgrad durch das Geräusch. Das Geräusch selbst kann ja Nervenzellen nicht beschädigen, wie zum Beispiel bei einem Schlaganfall, kann Faserverbindungen des Gehirnes nicht angreifen, wie zum Beispiel bei Multipler Sklerose, et cetera. Aber das Tinnitusgeräusch kann die Funktionsweise des Gehirnes erheblich beeinträchtigen, die Wahrnehmung und Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit lähmen, kann Angstzustände, Schlafstörungen, emotionale Erregungszustände erzeugen, die bis hin zu völliger Erschöpfung und Dysfunktion des Betroffenen im privaten und beruflichen Leben führen können. Das Ziel der TRT besteht nun darin, einerseits das Tinnitussignal selbst zu habituieren, andererseits auch die Folgeerscheinungen wie emotionalen Dystress, Schlafstörungen, Konzentrations- und Wahrnehmungsstörungen usw. zu beseitigen. Ein weit verbreitetes Vorurteil besagt, dass man Tinnitus nicht erfolgreich behandeln könne, sondern der Patient müsse sich daran gewöhnen, er müsse lernen, mit dem Tinnitus zu leben. Man könne als Therapeut nur dafür sorgen, dass der Betroffene besser mit dem Tinnitus zurechtkomme. Diese Auffassung entspricht nicht mehr dem neuesten Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis. Mithilfe der TRT ist es vielmehr möglich, sowohl das Tinnitussignal selbst zu reduzieren als auch den Belastungsgrad des Tinnitus für den Patienten zu verringern. In eingeschränkter Form stehen diese Verbesserungsmöglichkeiten sogar Patienten mit chronischem, seit mehreren Jahren bestehendem Tinnitus offen. Eine Heilung des Tinnitus im engeren Sinne jedoch sollte gleichwohl auch mit der TRT nie in Aussicht gestellt werden.

Psychologische Zusatztherapien

Vielfach werden besonders auch im deutschen Raum psychologische Therapieformen als obligatorischer Teil einer Tinnitustherapie verordnet. Hier sind besonders
kognitive Psychotherapien und Verhaltenstherapien in der Diskussion, auch die Gestalttherapie. Entspannungsmaßnahmen, Yoga und Musiktherapie stellen psychosomatisch wirksame Maßnahmen dar. Psychotherapien  und ähnliche Maßnahmen werden praktisch in allen Tinnituskliniken obligatorisch angeboten. Hierdurch besteht aber auch die Gefahr einer Stigmatisierung der Betroffenen als psychisch auffällig. Dabei ist in klinischen Studien herausgefunden worden, dass Tinnitus ohne Präferenz einer psychischen Disposition im Bevölkerungsdurchschnitt gleich häufig anzutreffen ist. Auch nach den Forschungsergebnissen von Professor Pawel Jastreboff kann Tinnitus nicht als psychologische Störung im eigentlichen Sinne angesehen werden. Psychotherapie hat ja in der Vergangenheit bei Tinnitus in der Regel auch keine Abhilfe schaffen können. Als Begleittherapie oder Zusatztherapie jedoch, in Fällen von Depressionen oder Angstzuständen, auch bei anderen zusätzlichen tinnitusbedingten psychischen Störungen oder tinnitusbedingten Störungen der psychosozialen Lage, kann eine psychotherapeutische Begleitung segensreiche Wirkung entfalten. Im Tinnitus Zentrum Frankfurt wird daher in etwa 30 Prozent der Fälle eine solche zusätzliche psychotherapeutische Begleitung empfohlen.

Auswertung der Therapieergebnisse

Eine Doppelblindstudie oder eine Studie mit Kontrollgruppe ist bei der TRT aufgrund der besonderen Natur des Krankheitsbildes und der Therapieform nur sehr schwer oder überhaupt nicht durchführbar. Die Auswertung der Ergebnisse bei den behandelten Patienten im Tinnitus Zentrum Frankfurt erfolgte daher retrospektiv auf der Grundlage der Angaben der Patienten auf dem Erfassungsbogen von Professor Pawel Jastreboff. Die Daten von über siebenhundert Patienten wurden ausgewertet, der Belastungsgrad des Tinnitus vor und nach der Behandlung erfasst. In einer Nachuntersuchung nach fünf Jahren konnte ein Verbesserung des Belastungsgrades von Tinnitus um mindestens 30 Prozent bei etwa 80 Prozent der Patienten festgestellt werden. Der Zufriedenheitsgrad aber war noch höher. Auch die 20 Prozent von Patienten, bei denen keine signifikante Besserung der Tinnitusbelastung zu erzielen war, gaben an, durch die TRT profitiert zu haben und mit der durchgeführten Behandlung zufrieden zu sein. Sie konnten danach besser verstehen, wie und warum das Tinnitusproblem ihnen zu schaffen machte. Die folgenden Abbildungen geben die Ergebnisse einer Langzeitstudie des Tinnitus Zentrums Frankfurt zur Erfassung des Einflusses von Tinnitus/Hyperakusis auf die Lebensqualität und die Schwere von Tinnitus/Hyperakusis wider. Die Patienten bewerteten subjektiv ihre Tinnitusbelastung auf einer Skala von 1 bis 10.

Die folgenden Abbildungen zeigen die Ergebnisse einer Langzeitstudie des Tinnitus Zentrums Frankfurt zur Erfassung des Einflusses von Tinnitus/Hyperakusis auf die Lebensqualität und die Schwere von Tinnitus/Hyperakusis. Die Patienten bewerteten subjektiv ihre Tinnitusbelastung auf einer Skala von 1 bis 10. Die Abbildungen zeigen eine deutliche Verbesserung der Parameter bezüglich der Lebensqualität und Abnahme der Schwere von Tinnitus/Hyperakusis bei der Mehrzahl der Betroffenen.

Rot: Bei Beginn der Therapie

Blau: Nach 1 Jahr Therapie

Weitere Ergebnisse sind nachzulesen unter:
Lux-Wellenhof G, Hellweg FC Longterm follow-up study of TRT in Frankfurt.
In: Proceedings of the 7th international Tinnitus Seminar 2002, Perth, Australia.

Organisation und Kosten

Die Kosten für die Behandlung variieren und sind für die technische Versorgung, den ärztlichen Behandlungsteil und die zusätzlichen Behandlungsmaßnahmen getrennt zu erfassen. Jedem Patienten im Tinnitus Zentrum Frankfurt geraten, vor Beginn der Behandlung Kostenvoranschläge einzureichen und die Kostenübernahme klären zu lassen. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Rausch- oder Kombigeräte. Ganz abhängig vom Kostenträger werden die übrigen Komponenten der TRT gegebenenfalls erstattet oder aber auch nicht von der Krankenkasse übernommen. Bei den Privatkrankenkassen kommt es auf den individuellen Vertrag an, inwieweit die Kosten für Heil- und Hilfsmittel übernommen werden.

Ausblick

Zukünftige Herausforderungen liegen in der weiteren Verbesserung der schon erreichten Ergebnisse bei der Tinnitustherapie. Darüber hinaus haben aber inzwischen verschiedene Formen der Geräuschintoleranz, wie Hyperakusis, Phonophobie und Misophonie immer größere Bedeutung erlangt. Ganz besondere Aufmerksamkeit wird auch der Prophylaxe von Tinnitus und Hyperakusis in Zukunft zu widmen sein. Woran liegt es, dass in unserer Wohlstandsgesellschaft immer mehr Menschen von Tinnitus und Hyperakusis betroffen sind? Liegt es vielleicht zum Teil an unserer schnelllebigen und reizüberfluteten Gesellschaft? Weitere Forschungen der Gabriele-Lux-Stiftung sollen hier in Zukunft Aufschluss geben.

Zusammenfassung

Das Tinnitus Zentrum Frankfurt bietet seit mehr als zwanzig Jahren eine ganzheitliche, gezielte Therapie für Tinnitusbetroffene an. Das Behandlungskonzept wird ganz spezifisch auf den individuellen Betroffenen abgestellt, alle gängigen Therapiemaßnahmen können angeboten werden. Aufgrund der langen und reichhaltigen Erfahrung im Tinnitus Zentrum Frankfurt können auch ganz besondere Fälle angemessen behandelt werden. Am erfolgversprechendsten gilt die TRT, sie basiert auf naturwissenschaftlichen Erklärungszusammenhängen und wird durch zahlreiche klinische Erfahrungen gestützt. Aus dem Mechanismus, wie Tinnitus entstehen kann, wird im Umkehrschluss die Tinnitus-Retraining- Therapie hergeleitet, um den Tinnitus zu verringern oder sogar zu beseitigen.